Alt Gersau
Am 13. März 1898 traf sich eine Schar junger, unentwegter Männer im Hotel Beau Séjour (heute Pizzeria Manzoni), um eine freiwillige Feuerwehr zu gründen. Einstimmig wurde Josef Müller, Buchbinder, zum ersten Präsidenten gewählt. Er war gleichzeitig der erste Kommandant. Ihm stand eine kleine Truppe von 25 jungen, tüchtigen und unternehmungslustigen Männern zur Seite. Die Ausrüstung war bescheiden: Sie bestand einzig in zwei grösseren und zwei kleineren Handdruckspritzen.
Alle mussten mithelfen
Das älteste Polizei- und Löschordnungsreglement des Bezirks Gersau geht auf das Jahr 1865 zurück. Es gab damals verschiedene Abteilungen mit eigenenen Kommandanten, die Oberaufsicht hatte der Feuerkommissionspräsident. Den allgemeinen Bestimmungen des Reglements ist zu entnehmen, dass bei einem Brand alle mithelfen mussten: "Grössere Knaben und Mädchen, sowie überhaupt Personen, welche keinen speziellen Dienst zu versehen haben, werden ersucht, als Kübler oder Pompiers tätig mitzuwirken."

Im Jahre 1877 wurde das erste Feuerwehrprotokoll geschrieben.
Das Mannschaftsverzeichnis lautet wie folgt:
Spritze 1: 105 Mann, Spritze 2: 82 Mann, Spritze 3: 57 Mann, Spritze 4: 80 Mann,
Wasserleiter: 11 Mann, Wasserschöpfer und Träger: 70 Mann, Föhnkorps: 20 Mann,
Rettungskorps: 22 Mann, Alarmmannschaft: 8 Mann, Feuerläufer: 8 Mann,
Fuhr- und Schiffsleute: 12 Mann, Totalbestand: 475 Mann.

Im Jahre 1927 wurde dann die Feuerwehr-Ordnung geändert. Der ganze aktive Feuerwehrdienst wurde der freiwilligen Feuerwehr übertragen. Wer sich nicht einteilen lassen wollte, konnte sich durch eine alljährlich zu entrichtende Steuer freihalten. Damit ist faktisch der Aktivdienst der Feuerwehr des Bezirks dem Verein übertragen worden.

Vor dieser Steuer war die erste bekannte Steuer die Kochherdsteuer. Pro Kochherd mussten zwei Franken bezahlt werde. Total 404 Kochherde und Feuerungsanlagen wurden um 1920 gezählt. Aus heutiger Sicht war die Feuerwehr damals materialmässig eher schlecht ausgerüstet. Der Versicherungswert des Inventars wurde 1919 auf 1'900 Franken geschätzt.
Heilige Agatha auf ewige Zeiten
Am 7. April 1674 gerieten die oberen Bergheimwesen am Gersauerberg in grosse Gefahr. Es wurde in der Rübi Brüsch angezündet. Oberhalb dieser Stelle lag ein Wald. Nun trat der Föhnwind ein. Dieser trieb die Flammen zum Wald, er brannte ab. Vom Wind getrieben, griff das Feuer um sich. Auf Breitebnet wurde der Stall eingeäschert. Ja sogar der Brüggenwald fing an mehreren Stellen an zu brennen. Zum Glück begann es zu regnen. An der folgenden Landsgemeinde wurde der Beschluss gefasst, das Fest der Heiligen Agatha auf ewige Zeiten zu feiern.

Die Feuerwehr hatte immer zu tun. Brände gab es viele, es brannten Gäden, Häuser, Fabriken und Wälder. In der neueren Zeit kamen Waschmaschinenbrände, Bootsbrände, Ölunfälle und auch Fehlalarme dazu. Einer der schlimmsten Waldbrände geschah am 6. Oktober 1961. Es brannte vom Kindli bis zum Föhnenberg. Rund 30 Hektaren Wald waren in Brand. Die Polizei hatte die Strasse zwischen Brunnen und Küssnacht abgeriegelt. Wie der "Bote der Urschweiz" damals schrieb, entstanden auf der Axenstrasse ganze Kolonnen parkierter Autos und Hunderte richteten ihre Augen auf die Südflanke der Rigi. Ähnlich soll es auf Seelisberg und in der nidwaldnerischen Nachbarschaft gewesen sein. 230 Mann, Feuerwehrmänner und Militär, waren im Einsatz. Der Föhn erschwerte die Löscharbeiten. So erstreckte sich der Einsatz über mehrere Tage. Ein gewaltiger Waldbrand gab es bereits im Jahre 1898. Damals kamen zwei Feuerwehrleute ums Leben. Beim Kindli wurde für sie ein Gedenkstein errichtet. Im Jahre 1998, zum 100. Jahrestag, wurde der verkommene Ehrenstein restauriert.

Verlust für Tourismus
Ein grosser Schock war auch der Brand des Hotels Müller mit 120 Betten. Das renommierte Haus, zwischen 1860 und 1865 erbaut, brannte am 4. März 1978 total aus. Ein Anwohner hatte den Brand entdeckt. Aus dem im Parterre gelegenen Speisesaal schossen meterhohe Flammen. Die unverzüglich alarmierte Feuerwehr konnte nicht verhindern, dass sich das Feuer fast explosionsartig ausbreitete. Es waren die Feuerwehren von Gersau, Brunnen und Vitznau (LU), dazu der Bundeslöschzug des Kantonalen Amtes für Zivilschutz bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz. Da das Hotel während der Wintermonate geschlossen war, kam niemand zu Schaden. Tragisch war, dass bei den bereits seit drei Wochen dauernden Umbau- und Renovationsarbeiten im Westflügel eine moderne Brandmeldeanlage hätte eingebaut werden sollen. Der damals noch blühende Tourismus erlitt mit dem Brand des Hotels Müller einen schweren Verlust. 12'000 Logiernächte waren für die Sommersaison gebucht. Bilder

Die gesamte Bevölkerung war am 25. Juli 1984 geschockt über das Ausmass der Bachüberschwemmung (Bilder). Und dann am 22. und 23. August 2005 über die Naturgewalt des Unwetters und der Überschwemmungen (Bilder).

Am 4. Dezember 1994 brannte das 400 Jahre alte Haus Wehri komplett nieder. Die zwei im Haus wohnhaften Familien konnten zwar ihr Leben retten, verloren aber Hab und Gut. Ein Bewohner des Holzhauses sagte damals, er habe etwas gehört, das wie starker Regen klang. Er ging nach draussen und sah die Flammen. Er weckte die restlichen Familienmitglieder und alle rannten möglichst schnell hinaus. Die Feuerwehr rückte mit 60 Mann aus und bekämpfte den Brand, der auf der Seeseite begonnen hatte. Die Trauer über den Verlust des denkmalgeschützten Hauses war gross (Bilder). In der selben Nacht brannte auch ein Werkraum im Schulhaus. Beides war Brandstiftung.

Im selben Monat, am 23. Dezember 1994 wurde das Fischspezialitätenrestaurant "Förstli" ein Raub der Flammen (Bilder).

Im Jahre 1969 wurde das Telefon-Gruppenalarm-System eingeführt. 1989 wurde dann das Alarmsystem von der Kantonspolizei Schwyz übernommen und 1992 das alte Alarmsystem durch ein neues, das SMT, abgelöst.

Im Jahre 1973 wurde das erste Fahrzeug, ein UNIMOG S, angeschafft.
1979 wurden ein Wassertank und eine kleine Motorspritze aufgebaut, um das Fahrzeug als Ersteinsatz- und Löschfahrzeug zu benutzen.

Endlich, im Jahre 1997 konnte das lang ersehnte Tanklöschfahrzeug angeschafft werden (Bilder).

(c) 100 -Jahr-Jubiläums Buch - Feuerwehrverband Kanton Schwyz